
Die Geschichte der Kunst
Ernst H. Gombrich · Phaidon
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Robert Campin · ca. 1427–1432 · The Cloisters, Metropolitan Museum, New York
Editio Prima
„Joseph baut in seiner Werkstatt eine Mausefalle. Fünfhundert Jahre hielt man das für ein Zunftdetail."
Die Galerie öffnet
Anmerkung der Galerie
die Galerie schreibt:
Der Mérode-Altar ist ein Hausaltar, klein genug für einen Privatraum, und er verlegt die Verkündigung in ein bürgerliches Wohnzimmer in Flandern. Maria sitzt nicht auf einem Thron, sondern auf dem Boden vor der Bank. Auf dem Tisch stehen eine Vase mit Lilien und eine Kerze, die gerade ausgegangen ist.
Durch das runde Fenster links fahren goldene Strahlen herein, und auf einem von ihnen gleitet eine winzige Gestalt mit einem Kreuz auf den Schoß Marias zu.
Auf der linken Tafel knien die Stifter im Garten und sehen durch die offene Tür zu. Auf der rechten arbeitet Joseph. Was auf seiner Werkbank liegt, ist über Jahrhunderte als Schreinerkram gelesen worden, bis Meyer Schapiro 1945 die theologische Quelle nachwies.
Zwei Fallen stehen in dieser Werkstatt. Eine ist zum Verkauf. Die andere ist reserviert.
Was die Galerie bemerkt
Auf der rechten Tafel sitzt Joseph in seiner Werkstatt und bohrt Löcher in ein Brett. Vor ihm steht eine fertige Mausefalle.
Eine zweite Falle steht draußen auf dem Fensterbrett, zur Straße hin, wie zum Verkauf.
1945 zeigte Meyer Schapiro, dass es kein Zunftdetail ist: bei Augustinus heißt das Kreuz muscipula diaboli — die Mausefalle des Teufels.
Die Menschwerdung Gottes ist der Köder. Der Teufel greift zu und ist gefangen. Joseph baut nicht eine Mausefalle, sondern die Mausefalle.
Im Raum nebenan geschieht in diesem Moment die Verkündigung — und Joseph, der nichts davon weiß, richtet das Werkzeug zurecht, mit dem es enden wird.
Editorial-Eintrag
Dieses Werk ist als Editorial-Eintrag der Galerie dokumentiert. Ein Druck ist aufgrund urheberrechtlicher Schranken nicht erhältlich.
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