Hans Holbein
Oskar Bätschmann · Pascal Griener · C.H. Beck
Das Standardwerk zum Maler, der den Tod direkt vor unseren Augen versteckte.
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Hans Holbein d. J. · 1533 · National Gallery, London
Editio Prima
„Der Schädel im Vordergrund. Sichtbar nur für jene, die schräg vorbeigehen."
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Anmerkung der Galerie
die Galerie schreibt:
London. 1533. Hans Holbein der Jüngere malt zwei Männer. Jean de Dinteville, französischer Gesandter am englischen Hof. Georges de Selve, Bischof von Lavaur. Beide Mitte zwanzig. Beide in voller Pracht ihrer Würde.
Aber nicht Holbeins Auftraggeber bezahlte das Bild. Es war Dinteville selbst. Und Dinteville wusste, was kommen würde. Er war im falschen Land zur falschen Zeit. Heinrich VIII. hatte gerade mit Rom gebrochen. Europa stand vor einem Krieg, dessen Konsequenzen niemand übersehen konnte.
Holbein malte das Bild voll mit Vorzeichen. Eine gerissene Lautensaite. Ein lutherischer Choral. Ein Globus, der die Welt zeigt, wie sie war. Und am Boden, vor den beiden Männern, ein Fleck.
Erst aus dem rechten unteren Winkel offenbart er sich: ein menschlicher Schädel. Anamorphose. Der Tod, im Sehfeld versteckt. Du siehst ihn nur, wenn du langsam genug schaust.
Was die Galerie bemerkt
Heinrich VIII. hatte sich gerade heimlich mit Anne Boleyn verheiratet. Der Papst hatte ihn exkommuniziert. Europa stand am Rand eines religiösen Krieges. In dieses Jahr malte Holbein die beiden Gesandten.
Auf dem Boden vor ihnen liegt ein schräger Fleck. Aus normaler Distanz unverständlich. Aus dem richtigen Winkel: ein menschlicher Schädel.
Die Technik heißt Anamorphose. Der Schädel wird nur sichtbar, wenn das Bild aus dem rechten unteren Augenwinkel betrachtet wird. Der Tod, im Sehfeld versteckt.
Die Laute auf dem Tisch hat eine gerissene Saite. Das aufgeschlagene Buch zeigt einen lutherischen Choral. Beides Symbole der religiösen Spaltung.
Das Bild hängt in der National Gallery London. Touristen gehen vorbei. Erst beim Bücken auf dem Weg hinaus sehen sie den Schädel.
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