Der Kuss · Gustav Klimt

Werk Nº 20

Gustav Klimt · 1907-1908 · Belvedere, Wien

Editio Prima

Goldene Phase. Wer lange genug hinsieht, beginnt zu fragen — Hingabe oder Erstarrung?"

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Anmerkung der Galerie

die Galerie schreibt:

Wien, 1907. Gustav Klimt vollendet ein Gemälde, das zur Inkarnation der Wiener Goldenen Zeit wird: ein knieender Mann beugt sich über eine Frau, ihre Augen geschlossen, ihre Hände an seinem Hals. Beide gehüllt in Roben aus Blattgold mit ornamentalen Mustern. Hintergrund: ungeformtes Goldfeld. Eine Blumenwiese am Rand des Abgrunds.

Klimts goldene Phase entstand zwischen 1899 und 1909. Er verwendete Blattgold und Edelmetallornamentik — Techniken, die er bei den byzantinischen Mosaiken in Ravenna studierte. Der Kuss ist das Zentrum dieser Phase. Belvedere kauft es noch während der Ausstellung 1908.

Wer lange genug hinsieht, beginnt zu fragen: die Klippe direkt unter ihren Füßen — Blumenfeld oder Abgrund? Ihre Hände — Zärtlichkeit oder Abwehr? Sein Gesicht — abwesend, gesichtslos. Die Geometrie an seiner Robe — schwarze Rechtecke — kontrastiert mit der Eros-Symbolik an ihrer — Kreise, Spiralen.

Klimt selbst sprach nie über die Bedeutung. Das Modell der Frau bleibt umstritten: wahrscheinlich Emilie Flöge, seine Lebensgefährtin von 27 Jahren. Möglicherweise Adele Bloch-Bauer, deren Familienportraits 2006 für 135 Millionen Dollar verkauft wurden. Wo manche höchste Hingabe sehen, sehen andere Erstarrung. Das Werk hält beide Lesarten aus.

Was die Galerie bemerkt

Die fünf Pointen

  1. I.

    Wien, 1907. Gustav Klimt vollendet ein Gemälde, das zur Inkarnation der Wiener Goldenen Zeit wird. Belvedere kauft es während der Ausstellung 1908.

  2. II.

    Blattgold und Edelmetall. Klimt studierte die Mosaiken in Ravenna und übertrug die Goldgrund-Technik byzantinischer Ikonen in seine eigene Sprache.

  3. III.

    Das Modell der Frau bleibt umstritten. Wahrscheinlich Emilie Flöge, seine Lebensgefährtin von 27 Jahren. Möglicherweise Adele Bloch-Bauer.

  4. IV.

    Wer das Bild lange genug betrachtet, beginnt zu fragen: die Klippe unter ihren Füßen, die angespannten Hände am Hals des Mannes, ihre geschlossenen Augen.

  5. V.

    Klimt selbst gab keine Interpretation. Wo manche höchste Hingabe sehen, sehen andere Erstarrung. Das Werk hält beide Lesarten aus.

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