Lüttich, 1842. Joseph Geefs vollendet eine lebensgroße Marmorstatue für die Saint-Paul-Kathedrale. Sie zeigt Luzifer, den gefallenen Engel. Geefs gibt ihm den Körper eines griechischen Jünglings, die Miene eines verlorenen Geliebten. Die Statue wird aufgestellt. Das Publikum kommt.
Bald hört man Beschwerden. Junge Frauen, so der Bericht, blieben länger als nötig vor der Skulptur stehen. Sie kämen zum Beten und blieben, um den Teufel anzusehen. Der Klerus reagiert. Die Statue wird abgenommen. Sie hängt heute im Königlichen Museum für Schöne Künste in Brüssel.
1848 bekommt Josephs jüngerer Bruder Guillaume Geefs den Auftrag für eine sittsamere Version. Guillaume liefert. Sein Luzifer ist nicht weniger schön. Aber er sitzt anders. Den Kopf gesenkt, die Schultern zusammengezogen, eine zerbrochene Krone zu seinen Füßen. Eine Kette an seinem Handgelenk. Und auf seiner Wange — aus dem Marmor herausgehauen — eine einzelne Träne.
Stolz wurde zu Scham. Eros zu Trauer. Der gefallene Engel weint, weil er weiß, was er verlor.
Diese zweite Statue blieb. Sie steht bis heute in der Saint-Paul-Kathedrale in Lüttich. Vor ihr blieben die Beschwerden aus.