Ungemalte Bilder · Emil Nolde

Werk Nº 23

Emil Nolde · 1938-1945 · Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, Neukirchen

Editio Prima

Malverbot 1941. Nolde malt heimlich weiter — über tausend Aquarelle, klein genug zum Verstecken."

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Seebüll, Nordfriesland, 1938–1945. Emil Nolde — bis dahin gefeierter Expressionist, NSDAP-Mitglied seit 1934, überzeugter Antisemit — wird von den Nazis trotzdem verboten. 1.052 seiner Werke werden in der Aktion 'Entartete Kunst' beschlagnahmt, mehr als von jedem anderen Künstler. 1941 erhält er offizielles Malverbot.

Nolde malt heimlich weiter. Nicht auf Leinwand — zu auffällig — sondern in Aquarell, auf kleine Bögen Japanpapier. Über tausend Blätter entstehen in seinem Atelier in Seebüll, klein genug, dass er sie im Falle einer Hausdurchsuchung schnell verstecken kann. Er nennt sie selbst 'Ungemalte Bilder' — weil sie eigentlich nicht existieren dürfen.

Nach dem Krieg inszeniert sich Nolde als Opfer des Regimes. Seine Mitgliedschaft in der NSDAP, sein Antisemitismus, seine Versuche, sich als 'germanischer Maler' bei Goebbels anzubiedern, verschwinden aus der Nachkriegs-Erzählung. Bundeskanzler Schmidt lässt seine Bilder im Kanzleramt hängen. Bundeskanzlerin Merkel ebenfalls — bis 2019, als sie nach neuen Forschungen abgehängt werden.

Das Werk in Seebüll ist heute eine Stiftung. Die Ungemalten Bilder hängen rotierend in der Dauerausstellung. Sie sind Zeugnis einer doppelten Wahrheit: Kunst, die unter Verbot entstand, gemalt von einem Mann, der das Verbot mit zu verantworten hatte.

Abbildung: Emil Nolde, Tanz um das Goldene Kalb, 1910, Bayerische Staatsgemäldesammlungen München · Werk-Beispiel der Pre-1933-Periode (die Aquarell-Serie selbst ist urheberrechtlich geschützt bis Ende 2026).

Editorial-Eintrag

Nicht als Druck erhältlich

Dieses Werk ist als Editorial-Eintrag der Galerie dokumentiert. Ein Druck ist aufgrund urheberrechtlicher Schranken nicht erhältlich.

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