
Die Geschichte der Kunst
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Egon Schiele · 1918 · Belvedere, Wien
Editio Prima
„Drei Menschen, hintereinander, niemand sieht jemanden an. Das Kind darin hat es nie gegeben."
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Anmerkung der Galerie
die Galerie schreibt:
Egon Schiele war achtundzwanzig, als er dieses Bild malte, und es war eines seiner letzten. Er hatte sich hunderte Male selbst gezeichnet, meist verrenkt, ausgezehrt, übersteigert. Hier sitzt er ruhig am Boden und sieht an allen vorbei.
1918 ist das Jahr, in dem die Wiener Moderne endet. Klimt stirbt im Februar, Otto Wagner im April. Im Herbst kommt die Grippe und holt Edith Schiele und drei Tage danach ihren Mann.
Das Bild trug ursprünglich den Titel Kauerndes Menschenpaar. Erst nach Schieles Tod wurde daraus Die Familie — eine Deutung, die das Kind zum Sohn macht und das Bild zur Vorwegnahme dessen, was nie eintrat. Edith war schwanger, das Kind wurde nie geboren.
Was man sieht, ist deshalb keine Familie. Es sind drei Körper, gestaffelt wie Stufen, und drei Blicke, die sich nicht treffen.
Was die Galerie bemerkt
Schiele nannte es Kauerndes Menschenpaar. Der Titel Die Familie kam erst später.
Im Februar 1918 stirbt Gustav Klimt. Schiele wird über Nacht der wichtigste Maler Wiens.
Am 28. Oktober stirbt seine Frau Edith an der Spanischen Grippe, im sechsten Monat schwanger. Drei Tage später stirbt er selbst.
Das Bild blieb unvollendet. Das Kind darin hat es nie gegeben.
Sechs Jahre zuvor saß Schiele im Gefängnis; im Gerichtssaal verbrannte ein Richter eine seiner Zeichnungen über einer Kerzenflamme.
Editorial-Eintrag
Dieses Werk ist als Editorial-Eintrag der Galerie dokumentiert. Ein Druck ist aufgrund urheberrechtlicher Schranken nicht erhältlich.
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